Internationale Cybercrime-Konferenz in Straßburg Spitzenplätze für Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft Wien
 

Im September 2026 fand am Sitz des Europarats in Straßburg die jährliche Underground Economy Conference statt. Bei diesem internationalen Fachforum zur Bekämpfung von Cyberkriminalität werden besonders erfolgreiche Ermittlungsverfahren ausgezeichnet. Präsentationen von länderübergreifenden Ermittlungen unter Beteiligung bzw. Leitung der WKStA und der StA Wien belegten die ersten drei Plätze.

Auf der Veranstaltung kamen rund 720 Teilnehmer:innen aus 52 Nationen zusammen, um sich über aktuelle Bedrohungen im Bereich der Cyberkriminalität und geeignete Maßnahmen zu deren Bekämpfung auszutauschen. Zu den Teilnehmer:innen zählten Vertreter:innen von Strafverfolgungsbehörden, Expert:innen für Cybersicherheit und Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und internationalen Organisationen.

Neben Vorträgen, Diskussionen und Workshops präsentierten 16 ausgewählte Teams reale Fallbeispiele. Das Publikum wählte anschließend die erfolgreichsten und am besten präsentierten Ermittlungsverfahren.

Den ersten Platz belegte die Aufdeckung eines groß angelegten Internetbetrugs durch drei international agierende Callcenter in Albanien. Dieser Ermittlungserfolg gelang einem über Eurojust gegründeten Joint Investigation Team, das aus der WKStA und der albanischen Staatsanwaltschaft bestand, in enger Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und unterstützt von Europol-Expert:innen. Die Täter:innen hatten manipulierte Medieninhalte, wie fingierte Nachrichtenartikel und gefälschte Videos des österreichischen Bundespräsidenten und anderer prominenter Persönlichkeiten genutzt, um potenzielle Anleger:innen zu ködern. Den Ermittlungsergebnissen zufolge wurden die erlangten Gelder jedoch nicht investiert, sondern in ein komplexes internationales Geldwäschenetzwerk geleitet, wodurch ein Schaden von mindestens 50 Millionen Euro entstand. Dank der internationalen Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden erfolgte im April 2026 ein koordinierter Zugriff, bei welchem drei Callcenter ausgehoben wurden, Privatwohnungen durchsucht, zehn Personen festgenommen und rund 450 Computer, 238 Mobiltelefone sowie rund 900.000 Euro in bar sichergestellt wurden. Zudem wurden diverse Datenträger und Speichermedien beschlagnahmt.

Weitere Informationen zum Fall finden Sie auf der Website der WKStA: Millionenschwerer Internetbetrug mit Prominenten-Fakenews: International agierende Callcenter in Albanien ausgehoben.

Mit dem zweiten Platz wurden die Ermittlungen im Fall „SMS- Blaster“ ausgezeichnet, die Staatsanwältin Mag. Carmen Kainz von der StA Wien gemeinsam mit Oberstleutnant Florian Finda vom Landeskriminalamt Wien präsentierte. Ermittler:innen hatten über einen Mobilfunkanbieter festgestellt, dass im Großraum Wien sogenannte Phishing-SMS in großem Ausmaß versendet wurden. Am 14.05.2026 gelang es, einen Tatverdächtigen in einem PKW zu lokalisieren und festzunehmen. Im Fahrzeug sowie bei einer anschließend durchgeführten Hausdurchsuchung konnten sogenannte SMS Blaster und weiteres technisches Equipment sichergestellt werden.

Auch in jenem Fall, der den dritten Platz belegte und die Aufklärung eines grenzüberschreitenden Onlinebetrugs über die Second-Hand-Plattform „Vinted“ betraf, wurden die Ermittler:innen von Eurojust unterstützt. Die Ermittlungen erfolgten ebenfalls im Rahmen eines Joint Investigation Teams unter Beteiligung der Cybercrime-Sondergruppe der Staatsanwaltschaft Wien gemeinsam mit den Behörden aus Estland und Lettland.  

Mag. Michael Schmid, Präsident der EU-Justizagentur Eurojust in Den Haag:

„Diese beiden erfreulichen Beispiele zeigen, dass es möglich ist, auch äußerst professionelle Netzwerke im Bereich der Online-Kriminalität zu verfolgen. Es bedarf dazu jedoch der Zusammenarbeit mit den Behörden anderer Staaten, nur gemeinsam können wir erfolgreich sein. Wir bei Eurojust schaffen dafür die Grundlage, indem wir gemeinsam mit zuständigen Staatsanwält:innen die Strategien in den Verfahren absprechen und die konkreten Festnahmen und Hausdurchsuchungen koordinieren.“

Justizministerin Anna Sporrer:

„Die Auszeichnungen in Straßburg sind eine besondere Anerkennung für die hervorragende Arbeit unserer Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sowie die Staatsanwaltschaft Wien haben mit hoher fachlicher Kompetenz und großem Engagement gezeigt, dass Österreich bei der Bekämpfung komplexer Cyberkriminalität zur europäischen Spitze zählt. Dieser Erfolg ist zugleich ein Beleg für die ausgezeichnete Arbeit aller Staatsanwaltschaften, die täglich mit großer Professionalität für eine konsequente Strafverfolgung sorgen.“

Um erfolgreich gegen das schnelllebige und komplexe Feld der Cyberkriminalität vorzugehen, braucht es Expert:innenwissen. In Österreich wurden daher im Jahr 2022 die ersten Cybercrime-Kompetenzstellen eingerichtet; mittlerweile verfügt jede Staatsanwaltschaft über eine solche spezialisierte Anlaufstelle für Cybercrime-Fragen. Cybercrime-Kompetenzstellen bestehen aus spezialisierten Staatsanwältinnen und Staatsanwälten, die ihren Kolleg:innen beratend zur Seite stehen, wenn sich im Zuge von Ermittlungen rechtliche oder technische Fragen im Zusammenhang mit Cybercrime-Delikten ergeben. Die Staatsanwaltschaft Wien verfügt darüber hinaus seit September 2024 über die erste Sondergruppe Österreichs für den Bereich Cybercrime. Die Sondergruppe bearbeitet Verfahren aus unterschiedlichen Deliktsbereichen und befasst sich etwa mit Phishing-Betrügereien, dem Betrieb von Darknet-Märkten oder auch Cyberangriffen auf kritische Infrastruktur. Zu diesem Zweck arbeitet die Sondergruppe eng mit den spezialisierten Einheiten bei der Polizei sowie den justizeigenen IT-Expert:innen zusammen.

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Sina Bründler - Lerner
Ressortmediensprecherin
Telefon: +43 676 89 89 12 070
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Oberstleutnant Florian Finda, StA Mag. Carmen Kainz, Vertreter der Polizei Lettland
Von links nach rechts: Oberstleutnant Florian Finda, StA Mag. Carmen Kainz, Vertreter der Polizei Lettland
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